Praxis für Homöopathie
Thomas Mickler
Heilpraktiker
Aktienstr. 175
D-45473 Mülheim an der Ruhr

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Dr. med. Pierre Schmidt
Kleine Dosen - Große Resultate! Homöopathie für Tiere

2) Satyriasis und Impotenz bei einem Zuchtbullen
3) Motorische Paralyse bei einem Jagdhund


TEIL II (S. 327-329)

Dr. Pierre Schmidt (1894-1987)ZWEITER FALL: Satyriasis (Anm.: unbeherrschbarer Sexualtrieb) und Impotenz: ein zweijähriger preisgekrönter Stier. Dieser Stier, der immer gut gedient hatte und dessen Paarungen auch zu Schwangerschaften geführt hatten, hatte letztens abnormale sexuelle Erregungszustände. Wenn er zum Beispiel zur Tränke geführt wurde, hetzte er zum Eingang, aus dem die Kühe gewöhnlich für die Paarung kamen, und dann, wenn er bemerkte, daß dies nicht der Grund dafür gewesen war, aus dem er aus dem Stall herausgeführt wurde, hetzte er zurück und masturbierte durch die Reibung seiner Hinterbeine, bis es zur Ejakulation kam. Sein Hüter sagte, er würde dies zwei oder drei Mal am Tag tun. Überdies, wann immer eine Kuh geholt wurde, war es ihm unmöglich, seinen Penis einzuführen, obwohl er sich versteifte. Es gab keine Ejakulation trotz seiner ausgeprägten Erregung. Diese Sachlage bedeutete einen beträchtlichen finanziellen Verlust für seinen Inhaber, da ein Zuchtbulle, obwohl sehr teuer und nur zur Vermehrung eingesetzt, beim Metzger nur einen vergleichsweise unwesentlichen Preis einbringen würde.
Diese Fälle gelten in der Allopathie als unheilbar, der einzige Ausweg wäre die Kastration. Diese würde ihm jedoch seinen eigentlichen Wert nehmen.

Dieser Zustand der allgemeinen Erregung zusammen mit Impotenz und Onanie reagiert jedoch vortrefflich auf ein homöopathisches Mittel, das ähnliche Symptome bei gesunden Männern hervorgebracht hat: Delphinium staphysagria. Dementsprechend wurde ihm von Dr. Ferreol morgens eine Einzeldosis Staph. 200 als Globuli gegeben. Vier Tage später war er zur großen Erleichterung seines Inhabers wie seines Tierarztes in ausgezeichneter Verfassung und war fähig zur normalen Paarung. Sie können einschätzen, was diese Heilung wert war, wenn ich Ihnen erkläre, daß dieser Stier für 600,00 $ gekauft worden war und sein Wert beim Schlachter nur 160,00 bis 180,00 $ gewesen wäre. Dieser Verlust wurde dank einer einzelnen Dosis Staph. in der 200-sten Potenzierung vermieden.


DRITTER FALL: Motorische Paralyse (Anm.: ~ Lähmung der für Bewegung zuständigen Muskulatur) bei einem deutschen Jagdhund, die einer Hundestaupe folgte. Der Hund war 7 Monate alt. Er war für zwei Monate an Staupe erkrankt gewesen, die sich mit den üblichen Symptomen zeigte:

Temperatur.
Katarrhalische Symptome des Harntrakts.
Dyspnoe.
Eitrige Absonderung aus Augen und Nase.
Appetitlosigkeit.
Durchfall abwechselnd mit Verstopfung.

Der Besitzer hatte verschiedenste allopathische Pillen gegeben, basierend auf Ipecacuanha, Abführmittel und Sirup, ohne jedes Ergebnis, außer der Unterdrückung bestimmter Symptome und der progressiven Entwicklung einer spasmodischen Paraplegie (Anm.: beidseitige krampfhafte Lähmung) des Hinterteils.

Die auffallenden Merkmale bei der Untersuchung des Hundes waren:

Spasmodische Symptome der Muskulatur.
Zittern der Glieder.
Ausgeprägte Parese des Hinterteils.
Erhöhte Reflexe.
Symptome nur während des Tages.
Das Tier trinkt wenig.
Verschlechterung durch kalte Luft.
Verschlechterung durch Bewegung.
Schwanken, sehr unsicherer Gang.

Beim Studium des Repertoriums zusammen mit Dr. Ferreol zeigte sich, daß Agaricus muscarius (Anm.: Agaricus ist der Fliegenpilz) das Arzneimittel war, das am besten zu diesem Fall paßte und als einziges alle in Frage kommenden Symptome abdeckte. Dabei wurden die Symptome berücksichtigt, welche nicht pathognomonisch waren. Tatsache ist, daß all diese spasmodischen und paretischen Symptome zusammen mit dieser seltsamen Verschlimmerung durch Kälte in der Pathogenese dieses giftigen Pilzes gefunden werden.

Am 15. Juni 1928 verabreichten wir Agaricus muscarius C 200, 10 Tropfen als einzelne Dosis.

Fünf Tage später konnte dieser Hund Treppen steigen, wozu er davor nicht fähig gewesen war, auch wenn er dabei noch Schwierigkeiten hatte. Er schwankte weniger aber er stürzte noch oft auf die rechte Seite, wenn er ging.

11 Tage nach der ersten Dosis sonderten seine Augen reichlich Eiter ab und der Besitzer lief natürlich in die Apotheke, um eine Lösung zum Spülen der Augen zu kaufen. Dr. Ferreol beeilte sich, diese in den Ausguß zu kippen! Der Hund fiel nun nicht mehr hin, obwohl er noch ein wenig taumelte. Er konnte jetzt ohne Schwierigkeiten Treppen steigen, rennen, springen und mit anderen Hunden spielen. Sein Allgemeinzustand hatte sich sehr gebessert.

Von Agaricus wird angenommen, daß es 40 Tage lang wirkt, und die Besserung schritt von der ersten Arzneimittelgabe an fort. Wir erlaubten der Arznei zu wirken und gaben den Rat, die Augen einfach mit abgekochtem Wasser zu baden. 15 Tage nach der ersten Dosis war das Tier geheilt.

Am 13. Juli 1928 sahen wir das Tier wieder, vier Wochen nach der ersten Gabe. Es ging ihm erstaunlich gut: Es lief, rannte und benahm sich wie ein normaler Hund. Seine Augen liefen noch ein bißchen, aber wir verordneten keine lokale Behandlung. Wir wußten, daß man diese Absonderung respektieren mußte, da das eine natürliche Ausleitung bei der Staupe war.

Alle Tierärzte kennen die progressive Entwicklung und die schweren Krankheitsfolgen der Staupe im Nervensystem. Die Heilung war vollständig, offensichtlich und dauerhaft.

War die 200-ste Centisimal-Verdünnung von Agaricus zu schwach, um in diesem Fall zu wirken? Ist das nicht eine Bestätigung des Ähnlichkeitsgesetzes? Eine Verifizierung der Symptome dieses gefährlichen Pilzes? Ein Beweis für die unleugbare Wirkung der hohen Verdünnungen, wenn sie nach den Regeln von Hahnemann angewendet werden? Und eine klare Demonstration, daß eine einzelne Dosis völlig ausreichend ist, um sogar einen schweren Fall zu heilen, wenn man genug weiß, um dem Organismus Zeit zu geben, auf die Wirkung des angewendeten Mittels zu reagieren?

Diese Experimente wurden in aller Genauigkeit durchgeführt. Obwohl sie von der Anzahl her gesehen unzulänglich sind, veranschaulichen die beiden in der letzten Ausgabe zitierten Fälle zusammen mit diesem dieses große allgemeine Gesetz, das Ähnlichkeitsgesetz, ausgezeichnet. Dieses therapeutische Gesetz hat einen unvorstellbaren Einfluß auf die Heilung. Die zwingende Notwendigkeit, es zu ergründen und ihm seinen gebührenden Ehrenplatz in der Therapie zuzuweisen, ist nichts anderes als die Krone und das Ziel der medizinischen Arbeit. Es ist dieses Gesetz (zusammen mit den Fällen, die seine Etablierung und Bestätigung ermöglichen), welches der Homöopathie das Recht gibt, eine Wissenschaft und therapeutische Methode zu sein. Medikamente, die entsprechend diesem Gesetz angewendet und nach Hahnemanns Richtlinien studiert werden, werden so zu positiven Substanzen. Ihre Wirkung auf gesunde Menschen und ihre Anwendung bei Kranken sind nicht länger unbeständig wie sie das in der allopathischen Medizin sind. Die Arzneien der sogenannten offiziellen Schule werden am Anfang immer als wunderbar proklamiert. Kaum haben sie jedoch den Sprung zu großer Bedeutung geschafft, kommen sie schnell zu einer Periode des Niedergangs und verschwinden wieder. Sie hinterlassen meist keine Spuren außer Unannehmlichkeiten, man könnte sogar mit dem französischen Pharmakologen Pouchet sagen keine Spuren außer "... ihre schlechten Resultate".

Im Gegensatz dazu sind die Arzneimittel der Homöopathie unbeeinflußt von Moden oder übertriebenen Modernismen. Einmal durch Experimente sicher etabliert werden sie zu Medikamenten, und der homöopathische Arzt, der sie kennt und sie anwendet, benutzt sie kontinuierlich.

 

Hahnemann sagte in seiner Vorbemerkung zu seiner Abhandlung über die Reine Arzneimittellehre, die 1834 auf Französisch erschien *:

Die Homöopathie basiert vollständig auf Erfahrung. "Macht mich nach", sagt sie laut, "aber macht mich genau nach, und Ihr werdet bei jedem Schritt die Bestätigung meiner Anforderungen sehen". Das, was keine Arzneilehre, kein System der Medizin, keine Therapie zuvor tat oder zu tun fähig war, fordert sie ausdrücklich: an ihren Erfolgen gemessen zu werden.
Die Homöopathie hat nie vorgegeben, Krankheiten mit derselben Kraft zu heilen, welche sie hervorgebracht hat; sie will das mit einer Kraft tun, die nicht identisch, sondern einfach ähnlich ist, durch eine Arznei, das einen krankhaften Zustand nur ähnlich zur Krankheit bewirken kann.
Nehmen Sie sich einen Krankheitsfall nach dem anderen vor, zeichnen Sie ihn in der Art, wie es im Organon vorgegeben ist, auf; beschreiben Sie ihn so gut mit all seinen wahrnehmbaren Symptomen, daß der Urheber der Homöopathie selbst keinen Anstoß an der Genauigkeit Ihres Bildes nehmen könnte. Und, angenommen, daß es Fälle sind, für die man unter den heute schon geprüften Arzneien ein Heilmittel finden kann, wählen Sie diese homöopathisch angemessenste Arznei aus. Geben Sie sie allein und unvermischt, in so kleinen Dosen, wie es die Lehre vorschreibt, unter Entfernung aller anderen medizinisch wirksamen Einflüsse. Und wenn der Patient nicht geheilt wird, wenn er nicht schnell geheilt wird, wenn er nicht sanft geheilt wird, wenn er nicht dauerhaft geheilt wird, beschämen Sie die Homöopathie öffentlich, und proklamieren Sie das Scheitern einer Behandlung, die genau nach ihren eigenen Prinzipien durchgeführt wurde. Aber enthalten Sie sich – darum bitte ich – aller Fehler.
Wenn, nachdem Sie in aller Redlichkeit gehandelt haben, andere, die nicht weniger verantwortungsvoll als Sie selbst sind, zu denselben Ergebnissen kommen, wenn sie Ihre Versuche wiederholen, wenn alles, was die Homöopathie dem verheißt, der ihr gewissenhaft folgt, nicht vergütet wird, dann kann man diese Lehre als unwichtig bezeichnen.
Kennen Sie eine bessere Methode, diese Lehre zu widerlegen, die nur an die Vernunft apelliert und einen freien Geist frei von Vorurteilen benötigt, um überall Zutritt zu finden? Wollen Sie dieselben Erfolge erreichen? Dann machen Sie es verständig und redlich nach!

Pierre Schmidt, Genf, Schweiz

 

* Anm.: Für das Hahnemann-Zitat habe ich die Übersetzung von Pierre Schmidt gewählt, weil sie doch - im Stil wesentlich geglättet - vom Original Hahnemanns abweicht. Möglicherweise war das Absicht. zurück

Original-Zitat von Hahnemann im Vorwort "Reine Arzneimittellehre", Bd. 3.


Quelle: Homeopathic Recorder Band XLIV., 1929 (S. 327-329)

Copyright ©  "Fondation Pierre Schmidt", St. Gallen, Schweiz.
  Deutsche Übersetzung: Th. Mickler, mit freundlicher Genehmigung der Fondation.

Copyright ©  Photo of Pierre Schmidt:  Dr. Robert Séror 2001


 
   
 
  © Thomas Mickler zuletzt aktualisiert: 22.06.2001