Praxis für Homöopathie
Thomas Mickler
Heilpraktiker
Hardenbergstr. 2
D-45472 Mülheim an der Ruhr

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Gesundheit und Krankheit aus homöopathischer Sicht


Denkmal Hahnemann und Lutze vor dem ehemaligen homöopathischen Krankenhaus in KöthenImmer wieder erlebt man in der Praxis und in privaten Gesprächen, wie fremd die Sichtweisen der Homöopathie den Gesprächspartnern sind. Das ist insofern fast erstaunlich, weil der Begriff "Homöopathie" heute fast jedem vertraut ist.
Die Vorstellungen, welche mit diesem Begriff verbunden werden, sind jedoch oft sehr weit entfernt davon, was Homöopathie wirklich ist (siehe auch "FAQ-Häufig gestellte Fragen").

Samuel Hahnemann (Begründer der Homöopathie, 1755 - 1843) hat sein ganzes Leben bis ins hohe Alter intensiv geforscht, um Krankheitsprozesse besser zu verstehen und hat darüber sehr viel (bis heute von der allgemeinen Medizin noch immer nicht beachtetes) Wissen hinterlassen (v. a. im "Organon der Heilkunst" und in den "Chronischen Krankheiten, Band 1).

Diese Seite soll Ihnen die Betrachtungsweise der Homöopathie in Bezug auf Gesundheit und Krankheit ein wenig näherbringen, um das Vorgehen der Homöopathie bei der Behandlung von akuten wie chronischen Krankheiten besser verstehen zu können.


Zusammenfassung

Der Mensch ist längst krank, bevor sich eine Krankheit als organisch nachweisbare Erkrankung manifestiert. Lokale Befunde sind nur das Endergebnis des Krankheitsgeschehens vor dem Erscheinen körperlicher Läsionen. Dieses Krankheitsgeschehen, oft ohne Befunde mit nur subjektiv fühlbaren Symptomen einhergehend, betrachten Homöopathen als den eigentlichen Krankheitsprozeß. Hahnemann bezeichnete das als "Verstimmung der Lebenskraft".
Verschiedene chronische Krankheiten und Beschwerden eines Menschen gehören aus der Sicht der Homöopathie zu ein und demselben chronischen Krankheitsprozeß. Hat jemand also mehrere Krankheitsdiagnosen gleichzeitig oder auch hintereinander, so sind diese nicht getrennt voneinander zu betrachten, sondern Ausdruck ein und derselben Grunderkrankung, welche auf einer tieferen Ebene liegt. Man sieht häufig am Verlauf einer Krankheitsgeschichte im Laufe des Lebens, wie diese Grunderkrankung immer tiefer in den Organismus vordringt - mit immer anderen Diagnosen, die heute meist als ziemlich unabhängig voneinander betrachtet werden. Durch eine nur auf die oberflächliche Erscheinung einer Krankheit gerichtete Behandlung, welche die zugrundeliegende Störung der sogenannten Lebenskraft (s. u.) nicht heilen kann, wird dem Krankheitsprozeß nur die Ausdrucksfläche geraubt, die Grunderkrankung besteht jedoch unverändert fort und manifestiert sich dann tiefer im Organismus, so daß die Krankheit dann nicht wirklich geheilt, sondern nur unterdrückt ist, selbst wenn das bestehende Leiden scheinbar erst einmal verschwunden ist. Kein Homöopath könnte sich mit seiner Behandlung zufrieden geben, wenn nach der scheinbaren Heilung einer Krankheit später ohne äußere Einwirkung eine schlimmere folgt.
Da die Homöopathie in der Lage ist, die Lebenskraft zu stimulieren, hat sie die Möglichkeit, diese Grunderkrankungen zu erreichen und sie auch zu heilen.


Gesundheit  

"Im gesunden Zustande des Menschen waltet die geistartige, als Dynamis den materiellen Körper (Organism) belebende Lebenskraft (Autokratie) unumschränkt und hält alle seine Theile in bewundernswürdig harmonischem Lebensgange in Gefühlen und Thätigkeiten, so daß unser inwohnende, vernünftige Geist sich dieses lebendigen, gesunden Werkzeugs frei zu dem höhern Zwecke unsers Daseyns bedienen kann."

So definierte Hahnemann vor vielen Jahren in seinem  "Organon der Heilkunst"  (im § 9) die Gesundheit.

Die Lebenskraft

Hahnemann ging davon aus, daß es so etwas wie eine nicht-materielle, die Lebensvorgänge des Organismus steuernde Lebenskraft gibt, ohne die es keinen lebenden tierischen oder menschlichen Organismus gibt. Diese Lebenskraft, auch Lebensprinzip oder Dynamis genannt, ist eine Kraft, die jedes Organ, jede Zelle und jedes Molekül erreicht und dafür sorgt, daß diese koordiniert arbeiten und untereinander in harmonischem Gleichgewicht sind. Andere vor Hahnemann hatten schon ähnliche Gedanken gehabt, z. B. Paracelsus, doch Hahnemann verfolgte diese Gedanken weiter bis zu einem klaren und anwendbaren Prinzip.
Diese Kraft kann man beeinflussen, sie kann aus dem Gleichgewicht gebracht werden oder auch, so sie aus dem Gleichgewicht geraten ist, wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Und genau da ist der Ansatzpunkt der Homöopathie.
Wird ein Mensch krank, so betrifft die Krankheit zunächst diese Lebenskraft, und dadurch zeigen sich Krankheitserscheinungen an den Organen des Körpers oder auch in allgemeinen Befindensstörungen bis zu psychischen und geistigen Störungen. Also die Lebenskraft ist gestört und dadurch bekommt man zum Beispiel ein Magengeschwür. Ohne eine Störung dieser Lebenskraft gibt es keine Krankheit, und so betrifft jede Krankheit den ganzen menschlichen Organismus, nie nur ein einzelnes oder wenige Organe.

Hier sei Hahnemann selbst zitiert, da diese Ansicht so weitreichende Konsequenzen hat (Organon §§ 10 bis 13):

"Der materielle Organism, ohne Lebenskraft gedacht, ist keiner Empfindung, keiner Thätigkeit, keiner Selbsterhaltung fähig, nur das immaterielle, den materiellen Organism im gesunden und kranken Zustande belebende Wesen (das Lebensprincip, die Lebenskraft) verleiht ihm alle Empfindung und bewirkt seine Lebensverrichtungen."

"Wenn der Mensch erkrankt, so ist ursprünglich nur diese geistartige, in seinem Organism überall anwesende, selbstthätige Lebenskraft (Lebensprincip) durch den, dem Leben feindlichen, dynamischen Einfluß eines krankmachenden Agens verstimmt; nur das zu einer solchen Innormalität verstimmte Lebensprincip, kann dem Organism die widrigen Empfindungen verleihen und ihn so zu regelwidrigen Thätigkeiten bestimmen, die wir Krankheit nennen, denn dieses, an sich unsichtbare und bloß an seinen Wirkungen im Organism erkennbare Kraftwesen, giebt seine krankhafte Verstimmung nur durch Aeußerung von Krankheit in Gefühlen und Thätigkeiten, (die einzige, den Sinnen des Beobachters und Heilkünstlers zugekehrte Seite des Organisms), das ist, durch Krankheits-Symptomen zu erkennen und kann sie nicht anders zu erkennen geben."

"Einzig die krankhaft gestimmte Lebenskraft bringt die Krankheiten hervor, so daß die, unsern Sinnen wahrnehmbare Krankheits-Aeußerung zugleich alle innere Veränderung, das ist, die ganze krankhafte Verstimmung der innern Dynamis ausdrückt und die ganze Krankheit zu Tage legt. Hinwiederum bedingt aber auch das Verschwinden aller Krankheits-Aeußerungen, das ist, aller vom gesunden Lebens-Vorgange abweichenden, merkbaren Veränderungen mittels Heilung, eben so gewiß die Wiederherstellung der Integrität des Lebens-Princips und setzt folglich die Wiederkehr der Gesundheit des ganzen Organism nothwendig voraus."

"Daher ist Krankheit (die nicht der manuellen Chirurgie anheimfällt), keinesweges wie von den Allöopathen geschieht, als ein vom lebenden Ganzen, vom Organism und von der ihn belebenden Dynamis gesondertes, innerlich verborgnes, obgleich noch so fein gedachtes Wesen ein Unding, was bloß in materiellen Köpfen entstehen konnte und der bisherigen Medicin seit Jahrtausenden alle die verderblichen Richtungen gegeben hat die sie zu einer wahren Unheilkunst schufen) zu betrachten."

Hahnemann stützte seine Erkenntnisse auf wissenschaftliche Beobachtungen, über das "Wie" und "Warum" äußerte er sich folgendermaßen:

"Wie die Lebenskraft den Organism zu den krankhaften Aeußerungen bringt, d.i. wie sie Krankheit schafft; von diesem Wie und Warum kann der Heilkünstler keinen Nutzen ziehen und sie wird ihm ewig verborgen bleiben; nur was ihm von der Krankheit zu wissen nöthig und völlig hinreichend zum Heilbehufe war, legte der Herr des Lebens vor seine Sinne."

"Wenn ich Krankheit eine Stimmung oder Verstimmung des menschlichen Befindens nenne, so bin ich weit entfernt, dadurch einen hyperphysischen Aufschluß über die innere Natur der Krankheiten überhaupt, oder eines einzelnen Krankheitsfalles insbesondere geben zu wollen. Es soll mit diesem Ausdrucke nur angedeutet werden, was die Krankheiten erwiesenermaßen nicht sind, und nicht sein können, nicht mechanische oder chemische Veränderungen der materiellen Körpersubstanz und nicht von einem materiellen Krankheits-Stoffe abhängig - sondern bloß geistartige, dynamische Verstimmung des Lebens."

Folgen dieser Erkenntnisse für die Behandlung von Krankheiten

Diese Erkenntnisse haben weitreichende Folgen für die Behandlungen von Krankheiten. Das sei an einem Beispiel deutlich gemacht:
Es ist heute bekannt (auch in der offiziellen Schulmedizin), daß Krankheiten wie Milchschorf in früher Kindheit, Neurodermitis, allergischer Schnupfen und Asthma bronchiale eng zusammenhängen. Es ist ebenso bekannt, daß in der Vorgeschichte von Asthmatikern sehr häufig Hautausschläge zu finden sind, insbesondere Milchschorf in früher Kindheit. Diese Hautausschläge verschwanden irgendwann, oft wurden sie "geheilt" durch eine Behandlung mit Salben oder verschwanden vielleicht auch von selbst. Später, und das kann durchaus auch einige Jahre später sein, tritt dann das Asthma auf.

In der offiziellen Medizin schenkt man dieser Tatsache, daß nach dem Verschwinden eines Hautausschlages eine asthmatische Erkrankung auftreten kann, keine weitere Beachtung, außer eben, daß ein gehäuftes Auftreten bei Menschen, welche Hautausschläge hatten, festgestellt wird, und das Asthma bronchiale, die allergische Rhinitis (= Schnupfen) und die Neurodermitis den atopischen, also allergischen Krankheiten zugeordnet werden. Auch wird eine familiäre Häufung beobachtet. Bei Asthma ist ihr eine kausale Therapie nur teilweise in begrenztem Maße möglich (Herold, Innere Medizin, 1993). Damit soll nicht behauptet werden, daß die Schulmedizin nicht ihre Verdienste bei der Behandlung des Asthmas habe, sie hat zahlreichen Asthmapatienten geholfen, nur muß man klar sehen, daß sie selten wirklich heilen konnte.

In der Homöopathie denkt man darüber anders, was auch ein anderes Vorgehen in der Therapie nötig macht.

Erstens wertet man die Allergene nur als Auslöser der Symptome, während der zugrundeliegende Krankheitszustand ständig und dauerhaft vorhanden ist.

Zweitens sieht man einen sehr engen Zusammenhang zwischen den beiden Erkrankungen, was auch Konsequenzen in der Behandlung nach sich zieht. Dieser Mensch ist dann insgesamt kranker geworden (nicht: hat eine neue Krankheit!), mit der Hautkrankheit statt des Asthmas würde er sich besser fühlen. Die Verstimmung der Lebenskraft hat zugenommen, und der Organismus war nicht mehr in der Lage, das Leiden außen auf der Haut zu halten.

Durch die Homöopathie ist eine kausale Therapie möglich, d. h. eine Therapie, die die zugrundeliegende Ursache - die Verstimmung der Lebenskraft - beseitigt.

In unserem Beispielfall, wo der Hautausschlag entweder durch eine Behandlung, die die Tiefe der Lebenskraft nicht zu erreichen vermag oder auch von selbst verschwunden ist, würde jeder Homöopath schon vor dem Auftreten einer nachfolgenden Krankheit sehr skeptisch sein.
Denn die verstimmte Lebenskraft ist damit nicht geheilt, sondern nur der Ausdruck der Erkrankung, die "äußere Reflexion der Verstimmung der Lebenskraft auf der Haut", wurde beseitigt. Der Krankheitsprozeß selbst währt jedoch unverändert fort, nur die Ausdrucksfläche wurde ihm genommen. Es ist, als hätte man einen kochenden Topf Wasser mit einem dichten Deckel verschlossen, irgendwann sucht sich der entstehende Überdruck ein neues Ventil, so kommt dann entweder der Hautausschlag nach einer Weile wieder. Oder wenn es dem Organismus nicht gelingt, die Krankheit wieder nach außen auf die Haut zu plazieren, entsteht etwas nur scheinbar Neues tiefer im Organismus. Und das ist bei Hautkrankheiten eben sehr oft Asthma, jedoch auch viele andere Erkrankungen nach der Unterdrückung von Hautausschlägen sind möglich. Die Lebenskraft hat von sich selbst aus immer das Bestreben, einen Krankheitsprozeß möglichst weit außen, d. h. entfernt von lebenswichtigen Organen, zu halten. Es soll hier noch angemerkt werden, daß asthmatischen Erkrankungen nicht zwingend eine Hauterkrankung vorangehen muß.

Daß dies keine Hirngespinste der Homöopathen sind, kann man leicht einsehen, wenn man während einer homöopathischen Behandlung eines Asthmas den alten Hautausschlag wiederkehren sieht, d. h. der Hautausschlag von damals tritt in unveränderter Art wieder so auf, wie er damals war, nachdem das Asthma verschwunden und geheilt ist. Und dann kann man den Hautausschlag ebenfalls homöopathisch behandeln und heilen (man könnte auch sagen, daß man die Lebenskraft behandelt, deren "Verstimmung" sich in der Krankheit der Haut bemerkbar macht).

Es gibt auch Menschen mit einer sehr starken Lebenskraft, bei denen sich das Leiden hartnäckig auf der Haut hält. Oder sie haben Hautausschläge, die sich immer wieder mit Asthma abwechseln. Und im Laufe der Zeit fällt ihnen auf, daß sie ihre Asthmaanfälle immer nur dann bekommen, wenn es der Haut gerade gut geht, nachdem sie den Hautausschlag durch eine Behandlung, die die Lebenskraft unbeeinflußt ließ, zurückgedrängt haben. Dann kommt der Hautausschlag wieder und das Asthma geht wieder weg.

So werden auch Hautausschläge in der Homöopathie ausschließlich mit innerlichen Mitteln behandelt, nie mit Salben (abgesehen vielleicht zur kurzfristigen Linderung zu Beginn der Behandlung in besonders schweren Fällen). Die homöopathische Behandlung zielt ja auf die Lebenskraft und nicht auf die Haut. Sie will die Lebenskraft wieder in einen gesunden Zustand bringen, und gelingt das, so heilt, gewissermaßen als Folge davon, auch die Haut, und auch der allgemeine Gesundheitszustand ist danach viel besser.

Das war ein einfaches Beispiel, um die Dynamik des Geschehens aufzuzeigen. Es ließen sich noch viele weitere Beispiele aus anderen Körperbereichen anführen, mit Unmengen an Fallschilderungen... .

Also werden Krankheiten nie als isolierte Krankheiten eines oder mehrerer Organe betrachtet. Auch Krankheiten, die nacheinander auftreten, kann man nicht isoliert betrachten. Wenn nach der "erfolgreichen" Behandlung einer Hauterkrankung Asthma oder auch eine andere Erkrankung auftritt, so hat man nicht geheilt, sondern nur die Symptome unterdrückt. Wenn z. B. eine asthmatische Erkrankung verschwindet und ein früher gekannter Ausschlag wieder auftritt, so geht der Weg in die richtige Richtung - wobei es nicht so sein muß, daß der alte Hautausschlag genauso quälend ist wie zuvor.

Eine weitere Folge dieser Sichtweise von der Lebenskraft ist, daß alle zur Zeit bestehenden Beschwerden zu beachten sind, da alle zusammengenommen ein Ausdruck der bestehenden Störung der Lebenskraft sind! Und für die Gesamtbeurteilung ist es sogar nötig, den gesamten Verlauf der Krankheitsgeschichte zu kennen. Dabei ist es interessant, daß auch seit der Krankheit bestehende sog. Nebensymptome eine Rolle spielen, also auch Symptome, die nichts mit der eigentlichen Krankheit zu tun haben müssen, jedoch seitdem bestehen und normalerweise wenig Beachtung finden.

Betrachten wir einen Patienten, der wegen Schlaflosigkeit nachts in die Praxis kommt. Er schläft nicht mehr gut, seit seine Beziehung in die Brüche ging. Er hat seitdem auch einige Warzen bekommen, leidet an Verstopfung und hat seither auch oft hämmernde Kopfschmerzen, die ihn vor allem vormittags zur Verzweiflung bringen, die schlimmer bei Anstrengung der Augen und bei körperlicher Anstrengung sind. Und er mag komischerweise kein Brot mehr, welches er früher gerne aß... Dies alles zusammen ist der Ausdruck der Störung seiner Lebenskraft, der Ausdruck seiner Krankheit, und er wird dafür ein einziges Heilmittel, eine Arznei bekommen, welche genau diesem Symptomenkomplex entspricht und deshalb auch zu heilen vermag - wobei ihm gleichzeitig die Verarbeitung seines Kummers nicht erspart, sondern ermöglicht wird!

Unterdrückung

Es ist eine sehr wichtige Erkenntnis Hahnemanns gewesen, daß man Krankheiten nie "unterdrücken" darf, weil es auf die Dauer gesehen immer schlimme Folgen hat.
Oft vergehen Monate oder Jahre, ehe die negativen Folgen einer Unterdrückung bemerkbar werden, und das dürfte einer der Gründe sein, warum die Zusammenhänge aufeinander folgender Krankheiten so unbeachtet blieben (und daran hat sich - leider - auch bis heute nicht sehr viel geändert!).

Man darf nichts - keine Krankheit - unterdrücken, sondern muß den Krankheitsprozeß behandeln, die Lebenskraft (um bei diesem Ausdruck zu bleiben) wieder ins Gleichgewicht bringen, und nur als Folge davon werden auch die Organe wieder gesund.

Man kann an der Krankengeschichte von chronisch Kranken sehr oft beobachten, daß sie im Laufe des Lebens immer ernsthaftere und tiefergehende Krankheiten entwickeln, obwohl die Krankheiten, welche sie hatten, immer - oftmals auch scheinbar erfolgreich - behandelt wurden. Im Allgemeinen denkt man, diese hätten nichts miteinander zu tun und das gehört einfach zum Alter, doch in Wirklichkeit ist es so, daß die Störung der Lebenskraft sich immer tiefer frißt, d. h. der jeweilige Kranke unterliegt einem und nur einem Krankheitsprozeß, der immer weiter geht und im Laufe der Zeit den Organismus immer zentraler erfaßt. Dieser Krankheitsprozeß schert sich nicht um Namen und Diagnosen der Krankheiten.

Eine Neurodermitis, um bei diesem Beispiel zu bleiben, ist aus homöopathischer Sicht niemals geheilt, wenn danach ohne relevante äußere Ursache eine Lungenerkrankung oder ein Heuschnupfen... beginnt, der Krankheitsprozeß ist dann quasi seiner Ausdrucksfläche beraubt und verschiebt sich nach innen. Im besten Falle kehrt der Hautausschlag nach Beendigung der Salbentherapie immer wieder (s. o.). Im Sinne der Homöopathie gilt eine Neurodermitis nur dann als geheilt, wenn sich mit dem Verschwinden der Hautsymptome auch der allgemeine Gesundheitszustand verbessert und nicht ohne äußere Ursache danach schwerwiegendere Erkrankungen auftreten.

Auch ist ein Mensch nicht wirklich gesünder, nachdem man z. B. Hämorrhoiden operativ entfernt hat, auch wenn er zunächst einmal seine Beschwerden damit los ist. Denn die Störung der Lebenskraft, die sich in einer Krankheit ausdrückt, besteht nach der Operation nach wie vor. Und manchmal reagiert der Körper dann so, als hätte man ihm ein Ventil verschlossen.

Bei seelischer oder geistiger Krankheit verhält sich das oft nicht anders. Hahnemann betrachtete die meisten Gemütskrankheiten als in den Geist metastasierte Krankheiten des Körpers. Wenn man davon ausgeht, daß der Geist und die Emotionen in einem menschlichen Organismus noch zentraler sind als der Körper und die Lebenskraft wird durch bloße Unterdrückung von Symptomen (im Sinne der Homöopathie) fortwährend geschwächt, so kann es passieren, daß eine körperliche Krankheit nicht mehr fortschreitet oder gar verschwindet und eine Geisteskrankheit in Erscheinung tritt. Viele Formen von geistigem Zerfall im Alter dürften auf diesen Umstand zurückzuführen sein! Wenn man sich die Krankengeschichten solcher Menschen ansieht, kann man diese Betrachtungsweise Hahnemanns oft nachvollziehen.

Ein Beispiel: Georgos Vithoulkas, ein bekannter griechischer homöopathischer Arzt, welcher 1996 den alternativen Nobelpreis verliehen bekam, wurde einmal von Angehörigen einer älteren Frau gebeten, diese zu behandeln. Sie war nach einer schweren Lungenentzündung wahnsinnig geworden und fristete ihr Dasein in der Psychiatrie. Er erklärte den Angehörigen, wenn die Frau bei einer korrekten Behandlung geistig wieder normal würde, daß die Lungenentzündung dann wohl wiederkehren würde und dann homöopathisch behandelt werden müsse. Er warnte sehr dringend davor, dann anders als homöopathisch zu behandeln, ahnend, was passieren könnte. Und tatsächlich, es gelang, das passende Mittel für die Krankheit der Frau zu finden, und sie konnte die Psychiatrie verlassen und war wieder im Vollbesitz ihrer Geisteskräfte. Und einige Zeit später bekam sie wieder eine Lungenentzündung, d. h. sie kam wieder zurück an den Punkt, an dem sie schon einmal war. Die Angehörigen bekamen es mit der Angst und brachten sie ins Krankenhaus, schließlich kann eine Lungenentzündung ja nichts mit einer Geisteskrankheit zu tun haben. Die Frau wurde "ganz normal" mit Antibiotika behandelt, die Lungenentzündung war geheilt und die Frau alsbald auch wieder in der Psychiatrie.

Dies ist sicherlich ein spektakuläres, doch nichtsdestotrotz sehr anschauliches Beispiel. Und die Beispiele ließen sich um ein Vielfaches mehren. Vielleicht fallen Ihnen jetzt auch selbst schon welche aus Ihrer Umgebung ein. Man muß die Ursachen behandeln und nicht nur die Symptome

Noch ein weiteres Beispiel: Einige Zeit nach der operativen Entfernung von Hämorrhoiden tritt eine rheumatische Erkrankung auf. Der Zusammenhang wird nicht gesehen, weil es ja zwei verschiedene Erkrankungen seien, die nichts miteinander zu tun hätten. Es ist tatsächlich ein und dieselbe Erkrankung des gesamten Organismus, dieselbe Störung der Lebenskraft, nur verschoben. Die Homöopathie deutet den zeitlichen Zusammenhang. Und wird das Rheuma mit einer nach den Regeln der Homöopathie gewählten Arznei wirklich geheilt, so kann man oft beobachten, daß nun wieder Hämorrhoiden auftreten. Behandelt man diese Hämorrhoiden jetzt homöopathisch, so werden sie verschwinden und der Mensch wird dabei weiter an Gesundheit gewinnen. Entfernt man diese Hämorrhoiden wieder operativ, weil man der Ansicht ist, das eine habe nichts mit dem anderen zu tun, so wird dieselbe rheumatische Erkrankung höchstwahrscheinlich in gleicher Form wiederkehren.

Der lebende Organismus versucht immer, den Ausdruck der gestörten Lebenskraft, also die Krankheit, möglichst weit peripher im Organismus zu halten, wobei unser äußerstes Organ die Haut ist. So entstehen Warzen, Pilze, Furunkel, Muttermale... . Wenn man diese einfach entfernt ohne die zugrundeliegende Störung auch zu heilen, so wird sich die zugrundeliegende Störung eine neue Ausdrucksfläche suchen müssen. Und damit sind dann die ursprünglichen Krankheitssymptome (Warzen, Furunkel usw.) ohne wahre Heilung unterdrückt. Daraus muß man den Schluß ziehen, daß man immer die innere Störung behandeln muß, daß man nie Krankheiten unterdrücken darf, keine Warzen entfernen darf usw.. Warzen kann man mit der homöopathisch richtig gewählten Arznei für den gesamten Zustand des Kranken nach einiger Zeit auch verschwinden sehen. Natürlich würde aber auch kein Homöopath empfehlen, ein krebsverdächtiges Muttermal nicht zu entfernen.

Selbstverständlich hat jeder Mensch ein gewisses Kompensationsvermögen für die Unterdrückung von Krankheiten, und eine Unterdrückung muß keine unmittelbar spürbaren Folgen haben. Doch es ist sehr schwer einzuschätzen, wie groß dieses Kompensationsvermögen beim Einzelnen ist.

Bei allem eben Geschilderten handelt es sich um Naturgesetze, die durch aufmerksame Beobachtung und den gesunden Menschenverstand jederzeit nachvollziehbar sind.

 


Kritik und Anregungen zu dieser Seite sind willkommen.

 

   
  © Thomas Mickler zuletzt aktualisiert: 29.09.2003