Praxis für Homöopathie
Thomas Mickler
Heilpraktiker
Hardenbergstr. 2
D-45472 Mülheim an der Ruhr

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Homöopathie - Info

Das Ende der Geißböcke

Dieser Beitrag ist einem Berliner Homöopathen gewidmet, der sich von Berlin aus sehr mitfühlend um das Befinden der Kölner Tierwelt sorgte.

Von einer Kölner Heilpraktikerin *


Die ganze Welt hat Angst. Vor einer Grippe, die vorwiegend Vögel befällt, aber in zunehmendem Maße auch Menschen. Zumindest vorerst deren Phantasie. Man nennt sie in Fachkreisen inzwischen die Kopfgrippe, oder einfacher ausgedrückt: hv n5 strich 809 z 1.

Nur in Köln ist alles anders, denn hier haben wir schon eine Epidemie und solange diese grassiert, sind wir vor der Pandemie bestens geschützt [§ 36]. Es ist Morbus Boeck, von dem man inzwischen weiß, dass es ansteckend ist. Vor allem von Geißbock zu Geißbock. Wie es sich von Geißbock zu Ziege verhält, ist noch nicht ganz geklärt, da in Köln der Kontakt von Bock zu Bock weit häufiger stattfindet als in vergleichbaren Städten. Vereinzelte Zicken sollen beobachtet worden sein, aber bisher nur von RTL.

Während Tierärzte von einer Massenhysterie ausgehen, sehen die Homöopathen das ganz gelassen. Sie wissen, dass leidende Geißböcke erstklassige Symptomträger sind und deshalb hören sie ihnen besonders gern zu. Sollen ein paar Außerirdische doch das Ende der Homöopathie verkünden ("Wahnidee, kein Homöopath zu sein"): Wir fangen gerade erst an. Zuerst schauen wir den deprimierten Geißbock verständnisvoll an. Wir fragen ihn, seit wann er Angst vor Niederlagen hat und ob er in seiner Kindheit oder in einem seiner früheren Leben einmal eine Begegnung mit Oliver Kahn hatte (dann wäre er nach einem griechischen Ingenieur ein unheilbarer Fall, was wir ihm natürlich erst sagen, wenn er die Rechnung bezahlt hat).

Als nächstes befragen wir alle elf Patienten von Kopf zu Fuß und stellen fest, dass sie mehrere davon haben. Vor allem von den Füßen, über die sie aus demselben Grund fallen, aber manche auch von den Köpfen. Dass man damit keine Bälle trifft, ist jedem Kölner sofort klar, aber der Homöopath nickt nur wissend, streicht sich über das im direkten Vergleich zum Geißbock nur unzureichend behaarte Kinn und fragt, seit wann denn die zwei Köpfe aufgetreten seien. Die ganze Mannschaft ruft ohne zu zögern, das sei seit dem letzten Karneval so: "Herr Doktor, versuchen Se mal, mit ZWEI Köpfen auf EINEN Ball zu schießen, da werden se verrückt, dat kann ich Ihnen sagen!"

Wir nicken schon wieder verständnisvoll und dann schlagen wir ein großes dickes Buch auf. Nach einer halben Stunde wundern wir uns, wo die Mannschaft geblieben ist. Der Trainer sagt etwas verlegen, dass sie noch einen inoffiziellen Termin bei Dr. Müller-Wohlfahrt hätten, der aus einer süddeutschen Stadt in aller Heimlichkeit eingeflogen worden sei. Er habe schon vorab dazu geraten, den zweiten Kopf wegschneiden zu lassen. Eine Freiburger Tierheilpraktikerin hätten sie auch schon ausprobiert, die behauptet habe, die Köpfe mittels dubioser "Besprechungen" entfernen zu können. Seit Walpurgisnacht habe man sie aber nicht mehr gesehen.

Das nächste Mal erscheinen die Patienten nach dem chirurgischen Eingriff. Sie haben alle einen unerklärlichen Reizhusten entwickelt. Die Lymphknoten sind geschwollen, sofern noch vorhanden. Wir diagnostizieren den verbliebenen Köpfen aufgrund der Lücke ein Kiss-Syndrom, auch, weil wir damit die schreckliche Wahrheit der Boeck-Krankheit nicht aussprechen müssen. Deshalb fragen wir, ob sich der eine Kopf nach der OP nicht einsam fühlt und ob er dann gerne getröstet wird. Der Mannschaftskoch erzählt nebenbei, dass seit kurzem alle das Essen nachsalzen würden, obwohl er doch frisch verliebt sei.

Kein epidemisches Mittel
Gleichzeitig passiert Schreckliches: Das Boeck-Miasma bricht sich Bahn - auch unter den Zuschauern. Alle leiden, nur ziemlich verschieden, sagt der Mannschafts-Homöopath, der vorausschauend eingestellt wurde, weil er besser zum Budget der Zweiten Liga passt. Trotzdem lässt er flächendeckend Tempo-Taschentücher verteilen. Er denkt in der Verbandszeitschrift "Der kickende Homöopath" über die Einführung von homöopathischen Impfungen nach und lässt rings um das Stadion Rittersporn anpflanzen.

Vereinzelte einköpfige Spieler finden doch noch einmal den Weg in unsere Praxis, die wir inzwischen von Müngersdorf in die Südstadt verlegt haben. Wir gründen einen Arbeitskreis und sagen ihnen, dass es sich um ein Virus handle, an dem sie selber Schuld tragen, weil sie ihren zweiten Kopf unterdrückt haben. Dieser habe schließlich nur die innere Krankheit beschwichtigt, die jetzt eben ausbreche. Die Information, dass neulich Zugvögel über dem Stadion gekreist hätten, nehmen wir dankbar auf, aber wir finden sie hinterher nicht im Repertorium.

Daraufhin lassen wir erst einmal auf Capri "Lac caprinum" prüfen. Es wird berichtet, den Prüfern sei kollektiv der Geist Konrad von Megenbergs erschienen, der noch die Alten Meister gekannt haben soll und bereits wusste: "Wenn man ein Ziegenhorn anbrennt, dass es stinkt und hält das vor die Nase von einem, der die Fallsucht hat, der fällt sofort hin."

Während wir überlegen, ob das genügend Ähnlichkeit mit unseren Geißböcken hat, verabschieden wir uns mit der Broschüre "Was ist Homöopathie" und mit dem Hinweis, bis zur nächsten Saison hätten wir möglicherweise ein gutes homöopathisches Mittel ausgearbeitet. Und falls nicht, dann sollten sie ihren übrig gebliebenen Kopf und zwei ihrer Füße einfach benutzen.


* Die aus Angst vor Anschlägen anonym bleiben möchte. Sie ist der Redaktion bekannt und heißt: Angelika Hein, Praxis für Kinderhomöopathie, Eifelstr. 33, 50677 Köln, Tel. 0221-551795

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  © Thomas Mickler zuletzt aktualisiert: 31.10.2005